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20 Jahre nach 1989 - Newsletter No. 3 Print

20 Jahre nach 1989 - Newsletter No. 3

Oktober bis November 2009

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In dem Projekt „20 Jahre nach der Wende“ dokumentiert das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung n-ost im Verlauf des Jahres 2009 die politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Debatten über den Fall des Eisernen Vorhangs vor 20 Jahren in acht Ländern des östlichen Europa. Damit werden die unterschiedlichen Formen des Gedenkens an das Jahr 1989 in den einzelnen Staaten vergleichbar. Denn sie werden nicht nur das Geschichtsbild der jeweiligen Nation prägen, sondern zur Formung eines gesamteuropäischen Geschichtsbildes beitragen.

Mehr Infos: Pressemitteilung vom 1. Juli 2009

Das Projekt wird von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.
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ALBANIEN - Der letzte Dominostein
Das 20-jährige Jubiläum des Berliner Mauerfalls wird in Albanien groß gefeiert - nicht zuletzt dank der Initiative der deutschen Botschaft, die einen „Deutschen Oktober” in Tirana veranstaltet. Botschafter Bernd Borchardt will mit künstlerischen Impulsen einen Diskurs über die kommunistische Vergangenheit Albaniens stimulieren. Denn nach wie vor ist  in der albanischen Bevölkerung eine Sehnsucht nach dem alten Regime vorhanden. Da hilft es auch nicht, dass die politischen Parteien die verschiedenen Jahrestage für sich zu nutzen suchen. Sie greifen dabei nicht nur auf nationale Ereignisse zurück, denn Albanien wird vielfach nur als der letzte Dominostein gesehen, der in Osteuropa gefallen ist. mehr


In Albanien ist die Sehnsucht nach dem alten Regime immer noch vorhanden. Wohl deshalb stehen Stalin, Lenin und der albanische Ex-Diktator Enver Hoxha heute wieder im Hinterhof der albanischen Nationalgalerie.  Foto: Hans Lempert

BULGARIEN - Das Wichtigste ist die Freiheit
Während Berlin im November euphorisch den Mauerfall vor 20 Jahren feiert, lässt sich Bulgarien nicht von dem Jubel anstecken. Als Ergebnis der Enttäuschungen, die den strapazierenden Übergang vom Sozialismus zur Demokratie begleiteten und einen dicken Schatten auf die gewaltigen positiven Veränderungen warfen, legt die bulgarische Gesellschaft heute eine sichtbare Erschöpfung an den Tag. Das Wort Transformation ist inzwischen für viele zu einem schmutzigen Wort geworden. Indes wird eines positiv bewertet: Der 10. November 1989, der Tag, an dem Staats- und Parteichef Todor Schivkov stürzte, hat Bulgarien das Wichtigste gebracht – die Freiheit. mehr

DEUTSCHLAND - Kritik am „Medienspektakel” 9. November
Die Feierlichkeiten am 9. November in Berlin sind der politische Höhepunkt des Jubiläumsjahres. Zentral sind der Staatsakt mit mehr als 30 Staats- und Regierungschefs aus dem Ausland, Bürgerrechtlern und Zeitzeugen sowie der Umsturz einer aus rund 1000 Dominosteinen bestehenden Mauer. Doch in die Euphorie um die Feiern am 9. November mischen sich etliche kritische Stimmen: „Medienspektakel“, „Elitenveranstaltung“ und „Hochglanz-Gala“ sind nur einige der Äußerungen, die in Kommentaren und Leserbriefspalten deutscher Tageszeitungen zu lesen sind. mehr

POLEN - „Unser Frühling, Euer Herbst”
Es ist eine symbolträchtige Geste: Bei der offiziellen Gedenkfeier zum Mauerfall am 9. November in Berlin stößt der frühere polnische Präsident Lech Walesa einen der ersten Mauersteine einer langen Reihe von Dominosteinen aus Styropor an. Auf dem 2,5 Meter hohen Mauerblock ist der Grenzumriss Polens, ein Hammer und der Satz „Es hat in Polen angefangen.“ zu sehen. Dem Ex-Präsidenten aus Danzig gelingt es damit, am 9. November am Brandenburger Tor der Welt zu zeigen, dass Polen mit den ersten halbfreien Wahlen im Frühjahr 1989 Vorreiter der demokratischen Veränderungen vor 20 Jahren war. Es ist die zentrale Botschaft Polens in diesem Jubiläumsjahr. mehr

RUMÄNIEN - Wahlen behindern die Erinnerung an 1989
Die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise und das so komplizierte wie spannende politische Tagesgeschehen beschäftigen die rumänische Öffentlichkeit so stark, dass die 20. Jährung des Umsturzes vom Dezember 1989 kaum ins Bewusstsein rückt. Seit Oktober gibt es in Rumänien keine voll funktionsfähige Regierung. Der Wahlkampf für die Wahl des neuen Präsidenten tobt. Viele hätten dennoch erwartet, dass zumindest die Kandidaten das Thema 20 Jahre Wende stärker in die Wahlkampfdebatte einbringen – das Gegenteil ist der Fall. mehr


Gab es im Dezember 1989 eine Revolution oder war es ein als Revolte kaschierter Putsch? Das Foto zeigt eine Demonstration am 22. Dezember 1989 in Bukarest. Foto: Magdalena Crisan

SLOWAKEI - Jeder möchte ein Held gewesen sein
Auch wenn es in der Slowakei nur wenige staatliche Veranstaltungen gibt, die Aufsehen erregen und Menschen anziehen, so wird doch eines klar: Es gilt das Motto: „Sag mir, mit wem Du feierst, und ich sage Dir, welche Rolle Du damals gespielt haben willst.“ Jeder bemüht sich, der Hauptheld der damaligen Revolution gewesen zu sein, und gedenkt der Ereignisse auf seine Weise. Dem wollen sich Künstler und Bürger entziehen und feiern ihr eigenes Freiheitsfest: Der Musiker Michal Kaščák veranstaltet am Abend des 17. November das „Konzert, für alle, die etwas bemerkt haben“ - in Anlehnung an den Ausspruch von Premier Robert Fico, von der Revolution 1989 „nichts mitbekommen zu haben“. mehr

TSCHECHISCHE REPUBLIK - Eine Nation erinnert sich und zieht Bilanz
Erwartungsgemäß bildet in Tschechien das Datum des Beginns der Samtrevolution, der 17. November, den Höhepunkt der geschichtlichen Rückbesinnungen auf das Jahr 1989. Bei einem Gala-Konzert in der Regie des früheren Präsidenten Vaclav Havel und des ehemaligen Dissidenten Michal Kocab treten Künstler auf, die, wie Havel betonte, „die Freiheit lieben und mit uns in den dunkelsten Zeiten solidarisch waren”. Der heutige Präsident Vaclav Klaus springt über seinen Schatten und sagt: „Die Geschehnisse von 1989 sind vor allem mit einer Person verbunden – der meines Amtsvorgängers Vaclav Havel.” Vergessen scheint der seit Jahren zwischen Klaus und Havel geführte Streit darüber, wer die Grundlagen für die Samtrevolution 1989 gelegt habe - aber nur für kurze Zeit. mehr

UNGARN - Nur die Form hat sich verändert, der Inhalt nicht
In Ungarn ist im letzten Quartal dieses Jahres vor allem in den Medien eine rege Auseinandersetzung mit der politischen Wende 1989 zu beobachten. Der Tenor: „Für einen Systemwechsel, der diesen Namen auch verdient, ist eine gesellschaftliche Debatte unerlässlich. Eine solche hat (in Ungarn) bis zum heutigen Tag aber nicht stattgefunden”, sagt die Historikerin Mária Ormos. Auch der Politologe Tamás Fricz kommt mit Blick auf die alten Kader, die sich heute noch immer im ungarischen Beamtenapparat tummeln, zu dem Schluss: „Die Form hat sich verändert, der Inhalt aber nicht.” mehr

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