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20 Jahre nach 1989 - Newsletter No. 2 Drucken


20 Jahre nach 1989 - Newsletter No. 2

Juli bis September 2009

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In dem Projekt „20 Jahre nach der Wende“ dokumentiert das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung n-ost im Verlauf des Jahres 2009 die politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Debatten über den Fall des Eisernen Vorhangs vor 20 Jahren in acht Ländern des östlichen Europa. Damit werden die unterschiedlichen Formen des Gedenkens an das Jahr 1989 in den einzelnen Staaten vergleichbar. Denn sie werden nicht nur das Geschichtsbild der jeweiligen Nation prägen, sondern zur Formung eines gesamteuropäischen Geschichtsbildes beitragen.

Mehr Infos: Pressemitteilung vom 1. Juli 2009

Das Projekt wird von der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

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ALBANIEN - Die heimliche Revolution
Der Fall der Berliner Mauer hat einen festen Platz im kollektiven Gdächtnis der Albaner gefunden. Immer deutlicher stellt man im Verlauf der Debatten die besondere Rolle Deutschlands für die albanische Revolution heraus. Im Juli 1990, während der Fußballweltmeisterschaft, kam es nach Freudenkundgebungen für die erfolgreiche deutsche Fußball-Nationalmannschaft zu Protesten gegen das Regime. Parolen wie Freiheit! Freiheit! Demokratie! Lang lebe Deutschland! hallten durch die Straßen. So wird die Wende in Albanien im Verlauf des Sommers 2009 immer mehr im Licht einer „heimlichen Revolution“ gesehen, die von ausländischen Medien („Deutsche Welle“ und „Voice of America“) stimuliert wurde. mehr



Das Relief zeigt den Aufbau der Stadt Dimitrovgrad in Bulgarien, der ersten sozialistischen Stadt des Landes. Heute rosten dort alte Industriekombinate vor sich hin. Foto: Jutta Sommerbauer

BULGARIEN - Lustration im Parlament
Die doppelten Wahlen in Bulgarien vermochten es nicht, in diesem Sommer das Thema des zwanzigsten Jahrestages vom Übergang zur Demokratie in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte zu rücken. Immerhin: Unmittelbar nach der Einberufung des neuen Parlaments wurden die Abgeordneten einer Lustration unterzogen – die Mitarbeiter der ehemaligen Geheimdienste dürfen nun keine leitenden Funktionen mehr im Parlament besetzen und keine Mitglieder in bestimmten Ausschüssen mehr sein. Diese Entscheidung wurde in den Medien begrüßt. mehr

DEUTSCHLAND - Noch immer ein geteiltes Land
Der Sommer ist die Zeit der wissenschaftlichen Studien. Sie alle wollen wissen, wie es um das Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten 20 Jahre nach dem Mauerfall bestellt ist. Der Tenor: Immer noch ist Deutschland gesellschaftlich und wirtschaftlich in vielen Bereichen ein geteiltes Land. Das Jubiläumsjahr treibt mitunter auch skurrile Blüten: Auf der größten Gedenkaktion zum Mauerfall außerhalb Deutschlands wird im „Wende Museum“ in Los Angeles am 8. November die Mauer aufgebaut und drei Stunden später wieder abgerissen. mehr

POLEN - Leben unter der dicken Linie
„Die Vergangenheit trennen wir mit einer dicken Linie ab“, sagte der erste nicht-kommunistische Regierungschef im Ost-Block Tadeusz Mazowiecki 1989. „Wir verantworten uns nur dafür, was wir getan haben, um Polen aus dem Zustand des Zusammenbruches herauszubringen.“ Die Worte vom Schlussstrich werden in den nächsten 20 Jahren zum Verhängnis und dienen als Gründungsmythos der „Vierten Republik“ der Brüder Kaczynski. Joachim Gauck, der frühere Leiter der Behörde für die Aufarbeitung der Unterlagen der Staatssicherheit, macht die Politik der „dicken Linie“ für Versäumnisse bei der Durchleuchtung der geheimen Akten des polnischen Sicherheitsdienstes verantwortlich. mehr



In Bukarest tobten 1989 auf dem Universitätsplatz schwere Kämpfe. Bis heute sind die Umstände der Revolution weitgehend ungeklärt. Foto: Magdalena Crisan

RUMÄNIEN - Kein Schuldiger für 1600 Tote?
Während der Vorwahlkampf für die Präsidentenwahlen am 22. November tobt, wird zum 20. Jahrestag der Revolution immer mehr Bezug genommen – vermutlich auch gerade deswegen. Präsident Traian Băsescu, der sich aller Wahrscheinlichkeit nach für die Wiederwahl aufstellen lässt, mahnt im September in einer Rede an, es sei unhaltbar, „keinen Schuldigen für 1600 Tote“ der Revolution zu kennen. Er verlange der Justiz kein bestimmtes Ergebnis der Ermittlungen ab, ihm gehe es nur darum, dass die Justiz „etwas in der Sache verfügt“, sagt er. Die Verbände der Revolutionsbeteiligten wollen sich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wenden, falls die Justizbehörden die Ereignisse beispielsweise in Cluj nicht aufklären. mehr

SLOWAKEI - Der nationale Blick
Es ist das erste Mal, dass den Ereignissen von 1989 in der Slowakei systematisch Aufmerksamkeit geschenkt wird. Denn 1999 war der 17. November, der aufgrund der brutal niedergeschlagenen Studenten-Demonstration in Prag als der Beginn der friedlichen Revolution in der Tschechoslowakei gilt, noch kein staatlicher Feiertag. Nun bietet sich die Chance, erstmals den slowakischen Blick auf die damals noch gemeinsam mit den Tschechen errungene Freiheit vom Kommunismus zu betonen. So ist das berühmte Bild vom August 1968, als ein Mann seine Jacke aufreißt und den sowjetischen Panzern seine nackte Brust entgegenstellt, nicht in Prag, sondern in Bratislava entstanden. mehr



Propaganda-Aufmarsch von Kindern mit Roten Sternen in Prag, 1989. Wenig später bricht die Samtene Revolution aus. Foto: Lubomir Kotek/EST&OST

TSCHECHISCHE REPUBLIK - Neue Erkenntnisse
Schwiegen sich in Tschechien vor allem Politiker im ersten Halbjahr 2009 über die Ereignisse von vor zwanzig Jahren noch aus, so vergeht seit Sommer kein Tag, an dem die Medien nicht auf die damaligen Geschehnisse eingehen. Bemerkenswert ist beispielsweise eine Sendung, in der erstmals Belege dafür gezeigt wurden, wie intensiv die damalige tschechoslowakische KP-Führung um eine Lösung des Flüchtlingsproblems in der deutschen Botschaft in Prag bemüht war. So habe KP-Generalsekretär Milos Jakes seinerzeit zwar keine direkte Ausreise der DDR-Flüchtlinge aus der CSSR erlaubt. Doch mit dem immer größer werdenden Flüchtlingsstrom habe sich das Prager Regime zu einer anderen Haltung durchgerungen. mehr

UNGARN - Kleine Revolution im August
Ins dritte Quartal des Gedenkjahres 2009 fällt der Jahrestag des Paneuropäischen Picknicks, das am 19. August 1989 von Oppositionskreisen organisiert wurde. Damals wurde für wenige Stunden die österreichisch-ungarische Grenze „gelüftet”, und rund 600 DDR-Bürger konnten nach Österreich fliehen. Kanzlerin Angela Merkel betonte während ihres Besuchs in Sopron, dass das Paneuropäische Picknick im Grunde eine „kleine Revolution” gewesen sei. Der ehemalige ungarische Botschafter in Deutschland István Horváth bemerkt in seinem Buch „Die verspielte Gelegenheit“, dass die 1990 gewählte erste demokratische Regierung aus diesen historischen Verdiensten Ungarns kein Kapital geschlagen habe. mehr

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