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20 Jahre nach 1989 - Newsletter No. 1 Print


20 Jahre nach 1989 - Newsletter No. 1

Januar bis Juni 2009

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In dem Projekt „20 Jahre nach der Wende“ dokumentiert das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung n-ost im Verlauf des Jahres 2009 die politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Debatten über den Fall des Eisernen Vorhangs vor 20 Jahren in acht Ländern des östlichen Europa. Damit werden die unterschiedlichen Formen des Gedenkens an das Jahr 1989 in den einzelnen Staaten vergleichbar. Denn sie werden nicht nur das Geschichtsbild der jeweiligen Nation prägen, sondern zur Formung eines gesamteuropäischen Geschichtsbildes beitragen.

Mehr Infos: Pressemitteilung vom 1. Juli 2009

Das Projekt wird von der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.
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Ein Junge in Tirana schmückt sein Fahrrad mit Nato-Flaggen. Foto: Hans Lempert

ALBANIEN - Dekommunisierung mangelhaft
Obwohl Albanien erst im kommenden Jahr des Sturzes des kommunistischen Regimes von Diktator Enver Hoxha gedenken wird, gibt es bereits in diesem Jahr viele Debatten über die politische Wende in Osteuropa vor 20 Jahren. Anlass dazu gaben der Nato-Beitritt Albaniens im April und die Parlamentswahlen im Juni. Der Spitzenkandidat der Sozialisten begann seinen Wahlkampf dort, wo die Wende vor 20 Jahren ihren Ausgang nahm. Dem alten und neuen Ministerpräsidenten und ersten nicht-kommunistischen Präsidenten Sali Berisha indes wird vorgeworfen, die De-Kommunisierung Albaniens verhindert zu haben. mehr

BULGARIEN - Das Schweigen brechen
Den Grundtenor der Debatten über die Wende von 1989 in Bulgarien prägt eine gewisse Enttäuschung. Der zunächst mit Begeisterung aufgenommene Wandel zu Demokratie und Kapitalismus sei in eine bis heute undefinierte Gesellschaftsform gemündet, heißt es in den Medien. Ganz konkret arbeiten Initiativen vor Ort mit der Erinnerung. Das Projekt "Erinnerungsorte im Nordwesten" soll Jugendliche dazu anregen, mehr über die Wendegeschichte in ihrem Heimatort herauszufinden. Erklärtes Ziel ist es dabei, auch das Schweigen über die Vorwendezeit in den Familien zu brechen. mehr

DEUTSCHLAND - Der weite Weg zur wahren Einheit
"War die DDR ein Unrechtsstaat?" - Die Diskussion um diese Frage bestimmte im ersten Halbjahr die Debatten über 20 Jahre Mauerfall in Deutschland. Auch über Einheitsdenkmäler wird heftig diskutiert. Noch heftigere Kontroversen lösen die Aktenfunde beispielsweise über den West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras aus. Der Tenor vieler Diskussionen lautet: Der Weg bis zur wahren Einheit ist noch weit. Das zeigen auch Befragungen von Jugendlichen, die erschreckend wenig über die Berliner Mauer wissen. mehr



Ein Denkmal für die 1970 gefallenen Werftmitarbeiter wurde am 16. Dezember 1980 in Danzig eingeweiht. Foto: Agnieszka Hreczuk

POLEN - Feuer statt Feier
Der 20. Jahrestag der ersten (halb-)freien Wahlen in Polen sollte groß in Danzig gefeiert werden. Doch Gewerkschafter hatten für den 4. Juni Protestaktionen angekündigt: Sie sahen ihre symbolträchtige Werft, von der aus die friedlichen Revolutionen in Osteuropa ihren Anfang genommen hatten, in Gefahr. Deshalb wurde an zwei Orten gefeiert: in Danzig und in Krakau. Der Streit darum machte viele Polen müde und des Themas 1989 überdrüssig. Debattiert wurde dennoch: zum Beispiel darüber, ob 1989 am Runden Tisch nur ein fauler Kompromiss ausgehandelt wurde. mehr

RUMÄNIEN - Bitterer Nachgeschmack
In Rumänien wird der Höhepunkt des Gedenkens an die Wende erst für Dezember erwartet, denn dann jährt sich der Sturz des kommunistischen Regimes von Nicolae Ceausescu zum 20. Mal. Doch schon jetzt werden, vor allem in den Medien, die vergangenen Jahre bilanziert. Das Resümee fällt pessimistisch aus: Ein Besuch im heutigen Bukarest hinterlasse einen bitteren Nachgeschmack, schreibt eine britische Journalistin. Vor allem die fehlende Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit wird kritisiert. Noch immer sind wichtige Dokumente nicht zugänglich. mehr

SLOWAKEI - Nichts bemerkt?
Er habe von der blutigen Niederschlagung der Studentendemonstration am 17. November 1989 in Prag nichts mitbekommen. Dieser Ausspruch des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico kursiert in den Debatten über die Wendezeit. Das hat seinen Mentee, den neuen Präsidenten Ivan Gasparovic, offenbar keine Stimmen gekostet, während Rivale Ivan Miklosko mit dem Verweis auf seine Beteiligung an den Protesten von 1989 nicht punkten konnte. Jenseits des Präsidentschaftswahlkampfes gibt es in der Slowakei viele Initiativen, die an den Fall des Eisernen Vorhangs erinnern, zum Beispiel ein großes Straßenkunstevent in der südwestslowakischen Stadt Nitra. mehr

TSCHECHISCHE REPUBLIK - Erinnern - bislang Fehlanzeige
Aus zwei Gründen gibt es in der Tschechischen Republik bislang keine großen Debatten über die Zeit vor 20 Jahren: die turbulente EU-Ratspräsidentschaft mit der Auseinandersetzung über den Vertrag von Lissabon und die abgewählte Regierung von Premier Mirek Topolanek. Dafür gaben sich Gäste aus aller Welt in Prag die Klinke in die Hand, um an die Ereignisse rund um den Wenzelsplatz und die deutsche Botschaft in Prag zu erinnern. mehr



Zwei Drittel der Ungarn glauben, 1989 habe es keinen echten Systemwechsel gegeben. Foto: Martin Fejér

UNGARN - Kein echter Systemwechsel
Der 20. Jahrestag der Neubeisetzung des früheren ungarischen Ministerpräsidenten Imre Nagy ist einer der Höhepunkte des Gedenkens im ersten Halbjahr. Nagy war 1956 hingerichtet worden, das Gedenken an ihn während der folgenden Jahre ein Tabu. Die Neubeisetzung am 16. Juni 1989 war der letzte Nagel in den Sarg des Sozialismus in Ungarn. Dessen sind sich viele Ungarn heute nicht mehr sicher: Zwei Drittel der Ungarn glauben, dass es 1989 keinen echten Systemwechsel gegeben habe, da heute dieselben Politiker wie damals an der Macht seien. mehr

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